The Corrs veröffentlichen neue CD – Irischer Vierer begeistert Handy-Generation und den Papst
Berlin (ddp). Tradition und Moderne – wohl kaum eine Band vereint diese
beiden widerstreitenden Pole so graziös wie die irische Pop-Formation
The Corrs. Deshalb gehört auch Papst Johannes Paul der II. zu ihren
Fans und lud einst das Quartett zu einem Weihnachtskonzert in seine
heiligen Hallen. Unter «Borrowed Heaven», dem Titel des am Dienstag
erscheinenden Werks, kann sich sicher auch das Kirchenoberhaupt etwas
vorstellen. Auch wenn die Musik natürlich eher für die Kids der
Handy-Generation gedacht ist. Da passt es gut, dass Sängerin Andrea
Corr ihren musizierenden Clan telefonisch beaufsichtigt, wenn sie
unterwegs ist: «Ich musste nach Los Angeles. Sie sangen mir ihre
Fortschritte dann am Telefon vor.»
Geschadet hat diese Arbeitsweise dem musikalischen Ergebnis
nicht. Vier Jahre haben The Corrs seit ihrer vorigen Veröffentlichung
«In Blue» verstreichen lassen. Nach einer bewegten Zeit im Pop-Geschäft
fanden sie es an der Zeit, eine Pause einzulegen und sich ins Private
zurückzuziehen. Schlagzeugerin Caroline genoss die Freuden der
Mutterschaft, ihre Geschwister Andrea, Sharon (Violine) und Jim
(Gitarre, Keyboard) polierten derweil die zahllosen
Platin-Auszeichnungen, die der irische Vierer für ihr 1996 erschienenes
Debüt «Forgiven Not Forgotten» erhielt. «Wir mussten unser Leben zurück
haben», begründet Frontfrau Andrea die Auszeit. «Es gibt Wichtigeres,
als sich Gedanken darüber zu machen, was über uns in der Zeitung
geschrieben wird.»
Die Presse müssen The Corrs durchaus nicht fürchten. Obwohl
sie mit fröhlichem Kommerz-Pop die Diskotheken und Kinderzimmer dieser
Welt beschallen, wollen Kritiker der Formation selten Böses. Seitdem
die Gruppe mit dem zweiten Album «Talk on Corners» (1998) zum Superstar
wurde, können sich alle auf ihren Sound einigen: Celine-Dion-Fans
feierten die Band im Vorprogramm, Luciano Pavarotti teilte die Bühne
mit ihnen ebenso wie die Rolling Stones.
Auch «Borrowed Heaven» ist ein konsensfähiges Album. Der
Opener «Summer Sunshine», eine flotte Nummer mit ein paar Gitarren, tut
niemandem weh. «Angel» überzeugt durch ein paar folkloristische
Einsprengel, wie sie zum Markenzeichen der Corrs geworden sind.
«Humdrum» beginnt mit ein wenig DJ-Gescratche als handelsübliche
Disco-Nummer, in der Sharons Fiddle eigentlich nichts zu suchen hat,
dann aber doch für eine interessante Klangfarbe sorgt.
So geht es immer bei The Corrs: Ihre Platten sind stets eine
Zusammenfassung dessen, was in den Charts gerade hip ist. Aufgebretzelt
wird das Ganze dann mit ein paar eigentümlichen Folk-Zitaten. Dieses
Konzept geht freilich nicht immer auf: «Even if» ist ein belangloser
Füll-Track, der Titelsong «Borrowed Heaven» beginnt in hübsch
meditativer Atmosphäre, die nach wenigen Sekunden von einem
herbeieilenden Disco-Fox verjagt wird.
Oft wünscht man sich, The Corrs hätten mehr Zutrauen zu ihren
mitunter originellen Ideen und schielten nicht zu sehr auf die
Ansprüche des Formatradios – etwas mehr Folk, weniger Computergeballer.
Aber dann käme vermutlich die genau austarierte Gratwanderung aus dem
Gleichgewicht – zwischen Tradition und Moderne.
Quelle: Yahoo.de